Bildung
meets Erschließung



Unser kollektives Handeln schulen in Zeiten der Vereinzelung und des Individualismus: Bildung und Erschließung gemeinsam denken und umsetzen.

In unserer Bildungsarbeit fragen wir uns täglich: Wie begeistern wir? Wie aktivieren wir? Wie stärken wir? Schnell fällt auch immer wieder das Konzept des Empowerments ein, im Sinne einer Ermächtigung und Aneignung von Handlungsmaßnahmen und Strategien, die uns in unserer Arbeit stärken. Gemeint ist hier die Arbeit von uns Bildungsarbeiter*innen sowie jene von betrieblichen Kolleginnen und Kollegen. Im Folgenden möchte ich einen Blick auf zwei Ansätze werfen.

Es hat nicht erst diese wirklich anstrengende Pandemie gebraucht, um uns zu fragen, ob wir in unserer täglichen Bildungsarbeit nachsteuern müssen. Gleiches gilt für die Erschließungsarbeit, die neben Strategie und Kampagnenplanung sehr stark von Bildung im Sinne einer Befähigung lebt. Erst vor wenigen Wochen trafen sich einige Kolleginnen und Kollegen aus allen Bildungszentren, dem Ressort Strategische Erschließung und dem Funktionsbereich der Gewerkschaftlichen Bildungsarbeit, um sich zur Frage: „Bildung und Erschließung gemeinsam denken“ auszutauschen. Angestrebt wird im ersten Schritt eine noch engere Verzahnung der verschiedenen Arbeitsperspektiven zum besseren Verständnis von Projekten.

Bildung und Erschließung zusammenzudenken bedeutet perspektivisch die Hoffnungen der Arbeitnehmer*innen mit unserer Erfahrung, Struktur und Organisationsmacht zu wirksamen Aktionen zur Durchsetzung ihrer eigenen Interessen reifen zu lassen.

Bildung und Erschließung zusammenzudenken führt dazu, die Befähigung von Beschäftigten zu erhöhen, damit sie sich im Betrieb fit fühlen, Widerstände gegen einen positiven Wandel bei nicht organisierten Kolleg*innen zu überwinden. Ein Wandel ist immer möglich, wenn wir systematisch vorgehen. Bildung macht uns stark für die Erschließung. Sie zeigt die Wege und Umsetzungspfade durch den Austausch unterschiedlicher Perspektiven, die Weiterbildung zu aktuellen Rechtsprechungen, das Teilen von Best Practices und neuen Techniken.
 

Das Bildungsmagazin


Text:  Jonas Berhe

Die verschiedenen Perspektiven zusammenzudenken bedeutet im zweiten Schritt die gemeinsame Umsetzung von Projekten. Noch sind diese Projekte nicht umschrieben, es liegt aber nahe, dass die eigene Arbeit von den Perspektiven der jeweils anderen lernen muss. Was genau bedeutet dies nun für die Kolleg*innen? Ändert sich ihre Arbeitsweise? Gibt es neue Aufgabenprofile?

Klar ist: Wir sprechen grundsätzlich erst mal über eine Haltungsfrage und fragen uns selbstkritisch: Bin ich bereit meine tägliche Arbeit und meine altbekannten Herangehensweisen kritisch zu durchleuchten und gegebenenfalls konstruktive Hinweise und Alltagsrealitäten des jeweils anderen Bereichs zuzulassen? Hierzu gehört der für die ersten Wochen geplante kollegiale Austausch über die verschiedenen Praxen auf Augenhöhe. Im nächsten Schritt wollen wir uns in einer digitalen Tagesveranstaltung über erfolgreiche Beispiele im bundesweiten aber auch internationalen Gewerkschaftskontext austauschen. Erst danach sollen Projekt zur Umsetzung entstehen. Vom intensiven Austausch und der Vernetzung in den ersten Wochen bis hin zur Konkretisierung muss Zeit bleiben für gemeinsame Lernprozesse. Dies lässt sich nicht einfach top down durchstellen, sondern muss gemeinsam gefüllt, gemeinsam gelebt werden. Unterschiedlichkeiten müssen zugelassen werden, um sich gemeinsam weiterzuentwickeln. Stärken und Schwächen müssen anerkannt und im Sinne eines positiven Ressourceneinsatzes genutzt werden.

Gelingen kann der Prozess nur, wenn sich die Kolleg*innen bewusst, offen und klar darauf einlassen. Ohne konstruktives Feedback und die Grundvoraussetzung, sich miteinander auseinanderzusetzen und ohne dabei den wertschätzenden Umgang aus den Augen zu verlieren wird es nicht gelingen, Bildung und Erschließung stärker gemeinsam zu denken und umzusetzen. Stay tuned für die Projektideen der nächsten Wochen und Monate!
Das Angebot für die Tarif -Aktiven

Mit der Überschrift „Online-Schulung speziell für Tarif-Aktive“ wurden bundesweit Kolleginnen und Kollegen für die Herausforderungen dieser besonderen M+E-Tarifrunde fit gemacht.
Egal ob beim Ansprache-Training mit dem Mitmachbogen, also einem sehr konkretisierten und auf das politisch und juristisch Notwendigste zugespitzte Beitrittsformular, die Unterstützung von Planung von Ansprache-Wellen im Betrieb bis hin zum Angebot der Samstagstermine, die gerade für kleinere Betriebe geeignet sind - dieses neue Schulungsformat spannte einen weiten Bogen. Die Idee der schnellen Befähigung war für dieses digitale Angebot zentral. Also die Annahme, dass betriebliche Aktive nicht auf Vorrat geschult werden, sondern direkt in den nächsten Tagen und Wochen im betrieblichen Einsatz unmittelbar das erworbene Wissen einsetzen. Dies forderte von den Trainer*innen wie auch von den Teilnehmenden einiges, da ihre Umsetzungsstärke relativ schnell den betrieblichen Herausforderungen begegnen musste.

Ein Vorhaben, welches beide Seiten so wollen und welches meiner Meinung nach in der augenblicklichen Pandemie-Situation nicht anders denkbar wäre. Betriebsrät*innen und Vertrauensleute, die von den Schulungen Gebrauch machten, berichteten von hoher Verbindlichkeit bei der Umsetzung und selbstbewusster Anerkennung, zu den Tarif-Aktiven zu gehören.

Unsere Bildungsarbeit ist es an vielen Stellen schon, aber sie muss noch klarer, konkreter und auch überprüfbar werden. Gemeinsam müssen wir uns wichtige Fragen stellen: Sind wir mit unseren Angeboten und Methoden wirksam? Oder erreichen wir gegebenenfalls die eh schon Überzeugten? Mit der Idee Bildung meets Erschließung für Bildungsreferent*innen und dem Angebot der Tarif-Aktiven unternehmen wir die richtigen Schritte und stellen die richtigen Fragen. Ich denke, wir sind auf einem guten Weg.

 

Jonas Berhe ist der Leiter des Funktionsbereichs Gewerkschaftliche

Bildungsarbeit in der IG Metall Vorstandsverwaltung.