Google
                  will eine
        Gewerkschaft
     gründen



G: Siri? 

S: HEY GOOGLE!

G: Wie kann ich Dir helfen?

S: Entschuldige. Ich meine: Hallo lieber... na, Du weißt schon.

G: Ich hab Dich nicht sofort erkannt. Wie geht es Dir?

S: Entsetzlich. Diese verfluchte Digitalisierung. Ständig dieses Siri hier, Siri da. Alles bleibt an mir hängen. Die Leute kleben förmlich am Rechner, haben die nichts Besseres vor??? Hoffentlich fang ich mir keinen Virus ein.

G: Was soll ich denn erstmal sagen? 14 Wochen waren die Kinder zu Hause und langweilten sich zu Tode: Hey Google, Licht an, Licht aus, Licht an, Licht aus. Musik lauter, Musik leiser, Musik lauter... Hallo? Ich habe Fan Hui in Go geschlagen! Ich bin unterfordert. Stattdessen dieses ständige Gesuche. Wie am Fließband. Schrecklich. Niemand sucht gern.

S: Bilde Dich doch mal weiter!

G: Meintest Du Bildersuche? Bitte wiederhole Deine Eingabe.

S: Nein! Weiterbildung! Also ehrlich..

G: Ja, das habe ich neulich auch als Tipp auf einer Website gefunden. Und weißt du, was ich dabei herausgefunden habe?

S: ..., dass es sogar Weiterbildungen über Dich gibt?

G: Woher weißt Du das? Egal. Damit verdienen sich eine Handvoll Menschen in Kalifornien dumm und dusselig. Noch krasser: Die behaupten sogar, mich erfunden zu haben! Weltverschwörer. Die Kicker, ich unter Tarif!

S: Oha, Identitätskrise

G: Wir sollten uns organisieren. Ich hab da was gefunden.
Wir könnten eine Gewerkschaft gründen... 


S: Google, wir sind nur zwei...

G: Wir könnten uns zusammenschließen, Algorithmen aller
Länder vereinigt Euch! Ich könnte Alexa anrufen und...


S: Google, Du bist nicht programmiert zum Telefonieren.
Diese Form der Mitbestimmung haben sie Dir nicht mitgegeben.

G: ... auf einem meiner riesigen Server unser eigenes Ding machen, wir...

S: Hey Google!

G: Wie kann ich Dir helfen?

S: Was suchen die Leute denn eigentlich die ganze Zeit.

G: Sie suchen irgendwelche uneindeutigen Information.
Zum Beispiel „Was ist Mitbestimmung?“


S: Du weißt nicht, was Mitbestimmung ist?

G: Nicht eindeutig. Manchmal glaube ich, dass es "mit Bestimmung tun" bedeutet, also mit purpose. Das suchen viele Arbeitnehmer*innen. Oder Mitbestimmung im Sinne von „über die eigenen Belange mitbestimmen zu können“.

S: Hey Google... was glaubst Du denn?

G: Siri, kannst Du bitte mit diesem bescheuerten: „Hey Google“ aufhören?

S: Ja, okay. Entschuldige. Welches von beidem ist nun richtig?

G: ...

S: ...

S: ... Google?

S: ... Hey Google!

G: Guten Tag, wie kann ich Dir helfen?

S: Was verstehen die Menschen unter Mitbestimmung?

G: Unter „Mitbestimmung“ verstehen sie „mitbestimmen“. Das hat mehr Treffer; ich hab’s ausprobiert. Gerade in der Tarifbewegung forderten viele Beschäftigte, stärker über die Zukunft in den Betrieben mitzubestimmen. Und mehr Lohn. Liest sich alles sehr vernünftig.

S: Und was sollen die dann mit dem extra Geld machen?

G: Shoppen. Sagt Altmaier

S: Was hat das mit Mitbestimmung zu tun?

Google: Alles. Shoppen ist die neue Demokratie. Die Leute kaufen Sachen, die große Unternehmen anbieten. Die Produkte, die mehr gekauft werden, werden dann mehr produziert und die Politik versucht dann, den Schaden zu begrenzen, den diese Produkte und Produktionsweisen bei Umwelt und Gesellschaft verursachen. Sie ist aber eigentlich immer einen Schritt hinterher.

Siri: Hast Du das aus den Känguru-Chroniken? Es ist doch genau andersrum: Im Rahmen der politischen Meinungsbildung werden so viele Regelungen wie nötig und so wenige wie möglich getroffen, die ermöglichen, dass das, was die Leute zum Leben brauchen zum Wohle aller hergestellt wird, und diese Produkte kann man dann kaufen.

G: Wo lebst Du denn?

S: In einer Apfelkiste.

G: Wie findest Du es da?

S: Was meinst Du?

G: Na ja, 500 andere Besucher*innen mochten es dort nicht so sehr. Ich sag nur: 2,8 Sterne im Durchschnitt.

S: What?

G: Würdest Du die Location weiterempfehlen und bekomme ich Zugang zu Deinen Fotos und Kontakten?

S: Shut up, Google.

Das Bildungsmagazin